Vor 85 Jahren wurde auf dem Flaggschiff der K.u.K. Kriegsmarine, dem Schlachtschiff VIRIBUS UNITIS, zum letzten Mal die rot-weiß-rote Kriegsflagge niedergeholt. Die österreichisch-ungarische Flotte wurde auf Anordnung Kaiser Karls dem südslawischen Nationalrat übergeben. Am nächsten Tag um 6.20 Uhr Früh versenkte die Explosion einer von italienischen Tauchern angebrachten Haftmine das nicht im Verschlußzustand und Großteils entleerte Schiff nach nur 14 Minuten im Hafen von Pola. Eine Ära war zu Ende.
Nachdem 1906 für die Flotte Großbritanniens die DREADNOUGHT, ein Schlachtschiff mit Einheitsbewaffnung von zehn 30,5cm-Geschützen vom Stapel gelaufen war, mußten sich konsequenterweise auch die übrigen Seemächte sofort mit dem Bau gleichartiger Schiffe befassen
Zuvor war man aber nach dem Übergang von den hölzernen Linienschiffen über die gepanzerten Kasemattschiffen mit Hilfsbesegelung bei den Barbettschiffen angelangt. Die Erker-Position der beiden Barbetten resultierte einerseits aus dem großen Personalbedarf und der primitiven Hydraulik, andererseits aus dem Wunsch nach „Jagdfeuer“ in Bugrichtung.
S.M.S. Viribus Unitis kentert im Hafen von Pola
In der österreichisch-ungarischen Monarchie wurden zwei Schiffe dieses Typs gebaut. Bereits bei der Indienststellung waren diese Schiffe aber schon veraltet, da der Kriegsschiffbau in diesen Tagen enorme Fortschritte machte und Donaumonarchie durch seine reiflichen Überlegungen vor dem Bauauftrag gut 10 Jahre hinterherhinkte.
KRONPRINZ ERZHERZOG RUDOLF
Erbaut 1884-89 in Pola
6.870tons, 94m x 19m
Bewaffnung: 3-30,5er; 6-12er
Besatzung: 450 Mann
KRONPRINZESSIN ERZH. STEPHANIE
Erbaut 1884-90 in Triest
5.100tons, 85m x 17m
Bewaffnung: 2-30,5er; 6-15er
Besatzung: 430 Mann
Gemeinsam unternahmen sie 1890 eine Auslandsreise in die Nord- und Ostsee und 1892 zu den Kolumbusfeierlichkeiten nach Genua. 1906 wurden sie aus der Liste der operativen Schiffe gestrichen. KR. EH. RUDOLF diente zur lokalen Verteidigung in der Bucht von Cattaro, ging nach dem Krieg als KUMBOR an Jugoslawien und wurde 1922 abgewrackt. KR. EH. STEPHANIE wurde 1913 gehulkt und diente ab 1914 der Seeminenschule in Pola/Fisella als Wohnschiff GAMMA. 1920 wurde sie von den Siegermächten Italien zugesprochen und dort verschrottet.
S.M.S. Erzherzogin Stephanie
Wegen dem massiven Widerstand des Parlaments gegen vollwertige Schlachtschiffe, einigte man sich auf einen Entwurf mit geringem Fahrbereich und Geschwindigkeit. Der Typ des Küstenpanzerschiffes wurde zu dieser Zeit nur noch von drei Nationen weltweit gebaut. Damit begann aber die Ära des Schiffsbauingenieurs Siegfried Popper. Die von ihm entworfene drei Einheiten der MONARCH-KLASSE waren für ihre bescheidenen Dimensionen erstaunlich kampfstark und gut gepanzert, aber nur für den Einsatz in der Adria konzipiert.
MONARCH, WIEN, BUDAPEST
Erbaut 1893-97 in Triest, MONARCH in Pola
5.600tons, 93m x 17m
Bewaffnung: 4-24er; 6-15er; 12-4,7er; 2TR
Besatzung: 450 Mann
Die Schiffe bildeten die Einheiten der V. Division. WIEN nahm 1897 an der Jubiläumsflottenparade aus Anlaß des 60 jährigen Regierungsjubiläums von Queen Victoria in England teil. Am 10.12.1917 gelang es dem italienischen MAS 9 in die Netzsperre einzudringen und die vor Anker liegende WIEN mit Torpedoschuß zu versenken. BUDAPEST bekam Anfang 1918 statt des vorderen Geschützturmes eine 38cm Haubitze zur Bekämpfung von Landzielen, kam aber nicht mehr zum Einsatz. MONARCH und BUDAPEST wurden 1920 England zugesprochen und nach Italien zum Abwracken verkauft.
S.M.S. Monarch vor S.M.S. Wien
Bei der nächsten Schlachtschiffklasse die gebaut wurde unterlag Popper wiederum einem strikten Tonnagelimit. Trotzdem wurden die Schiffe der HABSBURG-KLASSE die ersten Hochsee-Schlachtschiffe der österreichisch-ungarischen Monarchie.
HABSBURG, BABENBERG, ARPAD
Erbaut 1899-04 in Triest
8.300tons, 108m x 20m
Bewaffnung: 3-24er; 12-15er; 12-7er; 6-4,7er; 6-3,7er; 2 TR
Besatzung: 630 Mann
Die Schiffe bildeten die Einheiten der IV. Division. Alle drei nahmen am 24.05.1915 an der Ancona-Unternehmung teil, HABSBURG war Flottenflaggschiff. Anfang 1918 wurden sie außer Dienst gestellt, 1920 Großbritannien zugesprochen und nach Italien zum Abwracken verkauft.
S.M.S. Babenberg
Mit dem Entwurf der 10.000tons-Schiffe der ERZHERZOG KARL-KLASSE war die Donaumonarchie schon wieder im Hintertreffen, da man international längst zum Bau der Dreadnought-Klasse mit schwerer Kalibereinheit überging.
ERZHERZOG KARL, EH FRIEDRICH, EH FERDINAND MAX
Erbaut 1902-1907 in Triest
10.600tons, 119m x 22m
Bewaffnung: 4-24er; 12-19er; 12-7er; 6-4,7er; 2 TR
Besatzung; 748 Mann
Die Schiffe bildeten die Einheiten der III. Division.
Am 24.05.1915 nahmen alle drei Einheiten bei der Ancona-Unternehmung teil. Nach der Meuterei in der Bocce di Cattaro wurden sie dorthin verlegt, um den Schutz nach innen zu übernehmen. EH FERDINAND MAX wurde 1920 England zugesprochen und in Italien abgewrackt. EH FRIEDRICH wurde Frankreich zugesprochen und abgewrackt. EH KARL wurde ebenfalls Frankreich zugesprochen, in die Bucht von Bizerta (Tunis) geschleppt und vor Sidi Abdallah verankert. In einem schweren Unwetter ging das Schiff dort unter und wurde 1921 vor Ort abgewrackt.
S.M.S. Erzherzog Ferdinand Max
Popper legte bei seinem nächsten Projekt einen Entwurf mit schwerer Einheitsbewaffnung vor. Die Planungskommission entschied sich aber für einen Entwurf mit halbschwerem Zwischenkaliber. Bereits 1909 wurde verfügt, daß diese Schiffe nicht nach dem Typschiff ERZHERZOG FRANZ FERDINAND zu benennen seien, um Verwechslungen mit der vorhergehenden Erzherzog-Klasse zu vermeiden, sondern als RADETZKY-KLASSE.
ERZHERZOG FRANZ FERDINAND, RADETZKY, ZRINYI
Erbaut 1907-1911 in Triest
14.500tons, 131m x 25m
Bewaffnung: 4-30,5er; 8-24er; 20-10er; 6-7er; 2-4,7erBesatzung: 830 Mann
Die Schiffe bildeten die Einheiten der II. Division.
RADETZKY war der K.u.K. Vertreter bei der Krönungsflottenparade von King George I von England in Spithead. 1912 und 1914 gingen alle drei Einheiten in die Levante. 1914 lief RADETZKY in die Bocce di Cattaro zur Niederwerfung der Lovcen-Batterien. 1918 wurden alle drei Schiffe kurz jugoslawisch, RADETZKY und ZRINYI liefen nach Split und wurden dort US-amerikanisch. Der in Pola verbliebene EH. FRANZ FERDINAND wurde von den Italienern beschlagnahmt und nahm an der großen Siegesflottenparade in Venedig teil. Das Schiff wurde nach heftigen Protesten der interallierten Kontrollkommission 1927 abgewrackt. Die anderen beiden wurden 1920 ebenfalls den Italienern zugesprochen und abgewrackt.
S.M.S. Zrinyi
Die Schiffe der TEGETTHOFF-KLASSE waren die ersten vollwertigen Dreadnoughts der K.u.K. Kriegsmarine und daher deren ganzer Stolz. In der Marinesektion des Reichskriegsministeriums in Wien kam man schließlich doch zur Überzeugung, daß der Schiffsbau in der Donaumonarchie der internationalen Entwicklung folgen müsse. Auf Grund neuer Erkenntnisse in der Seekriegsführung wurde erstmals von der Praxis abgegangen, die gleiche Schiffe als eine Division (taktische Einheit) zusammenzufassen. Die Division wurde auf vier Einheiten erweitert.
S.M.S. Tegetthoff
VIRIBUS UNITIS, TEGETTHOFF, PRINZ EUGEN, SZENT ISTVAN
Erbaut 1910-14 in Triest, SZENT ISTVAN 1912-15 in Fiume.
20.000tons 151m x 27m
Bewaffnung: 12-30,5er; 12-15er; 18-7er; 2-4,7er; 2 TR
Besatzung: 1046 Mann
Die Schiffe bildeten die Einheiten der I. Division.
1914 liefen der VIRIBUS UNITIS und der PRINZ EUGEN in östliche Mittelmeer und nach Malta. Das Flottenflaggschiff VIRIBUS UNITIS, mit den Leichen des in Sarajewo ermordeten Thronfolgerehepaares an Bord, führte den großen Trauerkondukt an, mit der die K.u.K. Kriegsmarine ihren prominentesten Förderer die Küste entlang nach Triest brachte. Schwarze Flaggen waren in den Dörfern gehißt und die Bevölkerung stand schweigend am Ufer und den Kaianlagen. Am 07.08.1914 liefen die Schiffe der I. und II. Division aus, um dem deutschen Mittelmeergeschwader den Durchbruch in die Adria zu sichern. Die Aktion wurde aber abgebrochen, nachdem dem Schlachtkreuzer GOEBEN und dem großen Kreuzer BRESLAU der Durchbruch bei Kap Matapan ostwärts gelungen war, und sich die beiden Schiffe nun auf dem Weg nach Konstantinopel befanden.
Am 12.11.1917 besuchte der deutsche Kaiser Wilhelm die VIRIBUS UNITIS im Hafen von Pola.
S.M.S. Tegetthoff Turm A
Am Abend des 09.06.1918 lief die I. Division zu einem geplanten Angriff auf die Otranto-Sperre aus. In der Morgendämmerung des 10. Juni sichteten die italienischen MAS 15 und MAS 21 die zweite Gruppe mit der TEGETTHOFF, der SZENT ISTVAN und 7 Geleitfahrzeugen. MAS 21 lanzierte 2 Torpedos auf die TEGETTHOFF, die beide ihr Ziel verfehlten. Die MAS 15 unter Korvettenkapitän Luigi Rizzi, der schon die WIEN in Hafen von Triest versenkt hatte, konnte zwei Volltreffer in Höhe der Kesselräume der SZENT ISTVAN erzielen. Im allgemeinen Tumult gelang es beiden Schnellbooten unbeschädigt zu entkommen. Auf Grund mehrerer Pannen und Fehlentscheidungen; so kamen etwa die Lecktücher auf dem Schlingerkiel unklar; die TEGETTHOFF weigerte sich die SZENT ISTVAN in Küstennähe zu schleppen, um sie dort sicher auf Grund zu setzen, da man einen U-Boot Angriff vermutete; als es dann doch zu Schleppversuchen kam, passierten erneut Mißverständnisse und als schließlich die dampfgetriebenen Pumpen ausfielen, kenterte die SZENT ISTVAN nach fast 3 Stunden nur 7 Seemeilen vor der Insel Premuda und ging mit 89 Mann unter. Der Untergang des Schlachtschiffes wurde von der TEGETTHOFF aus von einem offiziellen Kamerateam, das den bevorstehenden Sieg bei Otranto filmen sollte, und dem Hobbyfilmer Linienschiffsleutnant Mensburger gefilmt. Diese Bilder sind wohl die bekanntesten Filmdokumente der K.u.K. Kriegsmarine und tauchten in zahlreichen Spielfilmen immer wieder auf.
S.M.S. Szent Istvan
Am Abend des 31.10.1918 wurde auf der VIRIBUS UNITIS die K.u.K. Flagge für immer niedergeholt und die Flotte an den jugoslawischen Nationalrat übergeben. Um 2 Uhr Früh drangen zwei italienische Offiziere in den Hafen von Pola ein und befestigten, unwissend der neuen Besitzverhältnisse, eine Haftmine an der Steuerbordseite der VIRIBUS UNITIS, die das nicht mehr kriegsmäßig besetzte Schiff mit seinem neuen Kapitän um 6.34 Uhr versenkte. Das Schlachtschiff konnte nur wenige Stunden die jugoslawische Trikolore führen. Der TEGETTHOFF nahm 1919 an der großen Siegesparade in Venedig teil und wurde 1920 endgültig Italien zugesprochen. Nach heftigen Protesten der interallierten Kontrollkommission wurde er 1924/25 in La Spezia abgewrackt.
PRINZ EUGEN ging 1920 an Frankreich und wurde nach Toulon geschleppt. Nach dem Ausbau der gesamten Artillerie und allem Brauchbaren diente er als Versuchsziel für Fliegerangriffe und Torpedosprengversuche. Nachdem die dabei erlittenen Schäden nur gering waren wurde PRINZ EUGEN am 22.06.1922 südlich von Toulon durch die schwere Artillerie französischer Schlachtschiffe versenkt. Seine schwere Artillerie wurde im II. WK von den Deutschen in Frankreich erbeutet und möglicherweise in den Atlantikwall eingebaut.
S.M.S. Viribus Unitis
Die österreichisch-ungarische Marine hatte schon etliche Pläne und Projekte zur Erweiterung in Auftrag gegeben. Diese endeten mit der Auflösung der Donaumonarchie.
ERSATZ MONARCH-KLASSE von 1910
24.500tons, 175m x 29m
10-30,5er; 14-15er; 20-9er; 18-7er; 2-4,7er; 2 TR
SCHLACHTKREUZERPROJEKT A von 1915
30.000tons, 220m x 29m
9-30,5er; 18-15er; 16-9er; 6 TR
SCHLACHTSCHIFFPROJEKT V
39.600tons, 215m x 32m
8-42er; 24-15er; 6 TR
Jedes der 17m langen und 135 Tonnen schweren 42cm Geschützrohre hätte nicht mehr auf der bestehenden Eisenbahntrasse von Pilsen nach Pola befördert werden können.
SCHLACHTKREUZERPROJEKT B
33.000tons, 230m x 29m
4-42er; 22-15er; 6 TR
Als Größenvergleich möchte ich hier ein Schlachtschiff der Deutschen Kriegsmarine aus dem II. WK anführen um die Pläne der Österreicher zu verdeutlichen, die berühmte BISMARK.
41.700tons, 251m x 36m
8-38er; 12-15er; 16-10,5er; 16-3,7er


